Präzise Kostenkalkulation als Schlüssel zur Rentabilität im digitalen Etikettendruck

Im Etikettendruck gibt es keinen "durchschnittlichen" Auftrag. Jedes Etikett unterscheidet sich in Design, Substrat, Farbdeckung und Maschineneinrichtung. Trotzdem übersehen viele Etikettenverarbeiter diese Komplexität und kalkulieren weiterhin auf Basis von Durchschnittspreisen. Die Folgen sind fehlerhafte Angebote, schwindende Margen, verzögerte Entscheidungen und ein Verlust an Kundenvertrauen.Michael Matthews, Product Manager, Domino Printing Sciences (Domino), erklärt, wie eine zeitnahe und präzise Kostenkalkulation die Rentabilität unterstützt und gibt praxisnahe Hinweise, wie Etikettenverarbeiter wettbewerbsfähig bleiben können.

Warum eine präzise Etikettenkalkulation wichtig ist
Eine genaue Angebotskalkulation ist ein zentraler Faktor für die Rentabilität. Die Zunahme kurzer Auflagen mit hohem Zeitdruck erfordert, dass Vertriebsteams schnell auf verlässliche Kostendaten zugreifen können.

Wie kann ein Unternehmen einen Preisnachlass anbieten, ohne die tatsächlichen Kosten für die Herstellung eines Etiketts zu kennen? Oder verbindliche Lieferzeiten zusagen, ohne die unterschiedlichen Kostenmodelle der einzelnen Druckmaschinen zu verstehen?

Ein effektiver Angebotsprozess sichert nicht nur die Profitabilität einzelner Aufträge, sondern bildet die Grundlage für nachhaltigen Geschäftserfolg.

Detaillierte, auftragsbezogene Angebote
Präzise Angebote zu erstellen kann insbesondere unter Zeitdruck schwierig sein. Durchschnittsbasierte Kalkulationsmodelle können keine verlässliche Rentabilität garantieren, da Tinten- und Substratkosten häufigen Schwankungen unterliegen. Zölle und Materialverfügbarkeit können die Kosten für Verbrauchsmaterial pro Etikett erheblich beeinflussen.

Im Digitaldruck variieren die Produktionskosten je nach eingesetzter Etikettendruckmaschine. Parameter wie Druckauflösung und Tropfengröße beeinflussen den Tintenverbrauch, während die Preise für Farbtinten selbst innerhalb eines Tintensets je nach Lieferant variieren können. Auch das Substrat spielt eine Rolle: Poröse Materialien benötigen mehr Tinte, um die gewünschte Farbdeckung zu erreichen.

Um neue Aufträge sowohl wettbewerbsfähig als auch profitabel zu kalkulieren, müssen Etikettenverarbeiter mit mehreren digitalen Inkjet-Druckmaschinen Angebote auf Basis der jeweils eingesetzten Anlage erstellen. Kurzfristige Änderungen, etwa ein Maschinenwechsel nach Auftragseingang, können die Marge beeinträchtigen, da sich die tatsächlichen Kosten vom ursprünglichen Kostenvoranschlag unterscheiden.

Datenbasierte Angebote
Eine präzise Kostenkalkulation ist entscheidend, um profitables Neugeschäft zu gewinnen. Digitale On-Press-Tools mit aktuellen Daten ermöglichen es Weiterverarbeitern, sich von Click-Charge-Modellen zu lösen, die Produktionskosten häufig zu stark vereinfachen und dazu führen, dass einzelne Aufträge über- oder unterkalkuliert werden. Ein datenbasierter Ansatz setzt auf auftragsspezifische Kostenberechnungen, die den tatsächlichen Tintenverbrauch und Substratprofile berücksichtigen und auf aktuellen Preismodellen beruhen.

Die Angebotserstellung lässt sich zudem beschleunigen, indem Auftragsprofile auf der Maschine gespeichert und wiederverwendet werden. Das reduziert den Aufwand für Neuberechnungen, stellt konsistente Preise sicher und verkürzt die Bearbeitungszeit bei Wiederholaufträgen.

Digitale Tools eröffnen tiefere Dateneinblicke und erhöhen die Kalkulationsgenauigkeit, sodass sich jede Kundenverhandlung gezielt auf Zeit- oder Budgetvorgaben abstimmen lässt. On-Press-Auftragskostenrechner ermöglichen beispielsweise den Kostenvergleich unterschiedlicher Materialien unter Berücksichtigung von Substratpreisen und Tintenabsorptionsraten. Ein weniger poröses Substrat kann zwar höhere Materialkosten verursachen, durch geringeren Tintenverbrauch jedoch die Gesamtkosten senken.

Datengestützte Planung kann auch die operative Effizienz steigern, etwa durch die Reduzierung der Anzahl der erforderlichen Stanzformwechsel. Eine Verringerung der Vielfalt der angebotenen Etikettenformen und -größen vereinfacht die Kalkulation und senkt Werkzeugkosten.

Vertriebsteams stärken
Digitale Technologien reduzieren die Abhängigkeit von spezialisierten Kalkulationsteams und ermöglichen es diesen, sich stärker auf Flexo- und Hybridanwendungen im eigenen Haus zu konzentrieren. Die meisten Anbieter digitaler Etikettendruckmaschinen integrieren benutzerfreundliche Kostenrechner in ihre Workflows. Damit können Verarbeiter Kostenschätzungen für hochgeladene Druckdaten zwischen laufenden Aufträgen erstellen. Der Rechner ermittelt unter anderem die Anzahl der Tintentröpfchen pro Farbe sowie die benötigte Substratlänge und berechnet die Kostenschätzung auf Basis hinterlegter Kosten, einschließlich fixer Zuschläge zur Abdeckung von Gemeinkosten.

Einige Anbieter stellen ihre On-Press-Kalkulation sogar offline zur Verfügung. Dadurch können Vertriebs- und Kalkulationsteams Angebote auch aus der Ferne erstellen, ohne die Produktion zu unterbrechen.

Fazit
In einem schnelllebigen, preisgetriebenen Markt ist präzise Angebotskalkulation ein strategischer Erfolgsfaktor. Sie entscheidet darüber, ob Margen geschützt bleiben oder allmählich schrumpfen - und ob Folgeaufträge gewonnen oder an agilere, entscheidungsstärkere Wettbewerber verloren gehen.

Wer auf datenbasierte Tools setzt und seine Teams gezielt befähigt, schützt nicht nur die eigene Rentabilität, sondern schafft die Grundlage für ein intelligenteres, schnelleres und widerstandsfähigeres Unternehmen.