Drewsen und Avacon erproben in Lachendorf ein flexibles Energiekonzept für die klimafreundlichere Papierproduktion

Drewsen Spezialpapiere und Avacon erproben in Lachendorf einen flexiblen Netzanschluss, der die klimafreundlichere Papierproduktion voranbringen soll. Ergänzend zu Windenergie, Photovoltaik und Biomasse will Drewsen künftig auch Strom aus dem Netz nutzen, um einen Teil der für die Produktion benötigten Wärme zu erzeugen. Dafür investiert das Unternehmen in ein Power-to-Heat-System, das Strom in Wärme umwandelt. Die Anlage soll nur dann zusätzlichen Strom beziehen, wenn im Stromnetz ausreichend Kapazität verfügbar ist. So wollen beide Unternehmen zeigen, wie sich industrielle Elektrifizierung mit einer intelligenten Nutzung der Netzinfrastruktur verbinden lässt. Vorgestellt wurde das Konzept bei einem Pressegespräch am Drewsen-Standort in Lachendorf, an dem auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies teilnahm.

Aus Strom wird Prozesswärme
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein Power-to-Heat-System, das Strom in Wärme für die Papierproduktion umwandelt. Nach derzeitiger Planung soll die Anlage im Herbst 2027 in Betrieb gehen.

Die Besonderheit liegt in der flexiblen Nutzung des Netzanschlusses: Im Rahmen eines zeitlich befristeten Vertragsmodells soll Drewsen zusätzliche elektrische Leistung nutzen können, wenn es die Situation im Stromnetz erlaubt. Sind die Kapazitäten anderweitig gebunden, passt das Unternehmen seinen Strombezug entsprechend an. Ob sich dieses Modell unter realen Betriebsbedingungen bewährt und die Erwartungen erfüllt, soll die gemeinsame Erprobung zeigen.

Die Partner betreten energietechnisches Neuland
"Die Umstellung unserer Energieversorgung ist eine große technische und wirtschaftliche Aufgabe", sagt Amir Mirsakarimi, Geschäftsführer von Drewsen Spezialpapiere. "Mit dem Probebetrieb wollen wir zeigen, dass industrielle Transformation auch unter aktuell noch eingeschränkten Netzbedingungen vorankommen kann. Dabei betreten wir Neuland. Ob sich das Konzept bewährt, muss der Praxisversuch beweisen."

"Niedersachsen wirbt mit dem Slogan "Das ist groß.‘ Und genau so müssen wir die Energiewende denken", so Matthias Boxberger, Avacon-Vorstandsvorsitzender. "Für Unternehmen wie Drewsen sind zehn Jahre Wartezeit auf den Netzausbau keine Option. Deshalb brauchen wir einen neuen Ansatz: erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und industrielle Verbraucher müssen stärker als Gesamtsystem gedacht werden. Wer die vorhandenen Kapazitäten intelligent nutzt, schafft schneller Planungssicherheit für sein Unternehmen und bringt die Dekarbonisierung voran."

Avacon testet neue Flexibilitätslösungen für die Industrie
Auch Ministerpräsident Olaf Lies sieht in der Zusammenarbeit ein Beispiel dafür, wie Energiewende und Industriepolitik verbunden werden können: "Niedersachsen braucht Unternehmen, die massiv in eine klimafreundliche Produktion investieren, und Netzbetreiber, die gemeinsam mit ihnen nach tragfähigen Lösungen suchen. Wenn ein mittelständischer Papierhersteller seine Prozesswärme auf Strom umstellt, ist das genau die Transformation, die wir brauchen: Klimaschutz, der Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land hält."

Pilotprojekt soll Erkenntnisse für die Praxis liefern
Für DREWSEN ist das Vorhaben ein weiterer Schritt zur klimafreundlicheren Wärmeversorgung. Gleichzeitig erprobt Avacon, wie sich bestehende Netzkapazitäten durch intelligente und flexible Nutzung besser ausschöpfen lassen. Damit adressiert das Projekt eine zentrale Herausforderung der Energiewende: den steigenden Strombedarf von Industrie und Wirtschaft mit den Möglichkeiten der vorhandenen Netzinfrastruktur in Einklang zu bringen.

Das Konzept ist auf die besonderen Bedingungen am Standort Lachendorf zugeschnitten. Im Probebetrieb wollen beide Unternehmen wichtige Erfahrungen sammeln und prüfen, inwieweit flexible Netzanschlusskonzepte Industrieunternehmen bei ihrer Transformation unterstützen können. Aufgrund der jahreszeitlichen Abhängigkeit der Netzbelastung sind erste belastbare Erkenntnisse nach ein bis zwei Jahren zu erwarten. Für Avacon ist das Vorhaben zugleich ein Praxistest für neue Ansätze in der Hoch- und Mittelspannungsebene, um die Energiewende schneller voranzubringen und vorhandene Netzkapazitäten effizienter zu nutzen.