
Flexible Verpackungen bleiben unter wirtschaftlichem und regulatorischem Druck
Hohe Kosten treffen auf schwache Nachfrage
Material bleibt der wichtigste Kostenblock für die Hersteller flexibler Verpackungen und die Serviettenindustrie. Trotz schwacher Konjunktur blieb die erhoffte Entlastung auf der Kostenseite aus. Auch bei den Personalkosten besteht aus Sicht des IPV angesichts der weiterhin angespannten Erlössituation nur begrenzter Spielraum. Gleichzeitig bleiben Fach- und Arbeitskräfte knapp. Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein differenziertes Bild. Der für flexible Verpackungen besonders wichtige Lebensmittelhandel konnte 2025 nominal zwar um 3,4 Prozent zulegen, real betrug das Wachstum jedoch lediglich 1,1 Prozent. Der Außer-Haus-Markt, ebenfalls ein wichtiger Absatzbereich für flexible Serviceverpackungen und Servietten, verzeichnete preisbereinigt sogar einen Rückgang von 2,1 Prozent.
PPWR wird zur zentralen Aufgabe für die Unternehmen
Neben der konjunkturellen Situation bestimmten vor allem neue regulatorische Anforderungen die Verbandsarbeit. Seit dem 12. August 2026 gilt die europäische Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung (PPWR) unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Sie bringt unter anderem neue Vorgaben zu Verpackungsvermeidung, Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz und Herstellerverantwortung. Zahlreiche Details werden allerdings erst durch weitere Durchführungsrechtsakte und delegierte Rechtsakte konkretisiert. Der IPV hat seine Mitgliedsunternehmen deshalb mit Informationsschreiben, Webinaren, Workshops, Leitfäden und Vorlagen auf die neuen Anforderungen vorbereitet. Hinzu kommen weitere Themen wie das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz, die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), die deutsche Druckfarbenverordnung sowie die Diskussionen um kommunale Verpackungssteuern und eine nationale Kunststoffverpackungssteuer. Die Pläne der Regierung zu letzterem konkretisierten sich im Laufe der Tagung durch einen ersten Entwurf und sorgten für zusätzliche Diskussionen im Rahmen der Veranstaltung. Die Mitglieder des IPV sind sich mit den Verbänden der gesamten Lieferkette branchenübergreifend einig: Die Steuer ist wirtschafts- und ordnungspolitisch nicht zielführend und setzt zudem die falschen Anreize. "Die Herausforderung besteht inzwischen nicht mehr nur darin, neue Vorschriften zu kennen. Unsere Unternehmen müssen wissen, wie sie diese rechtssicher und zugleich wirtschaftlich in der betrieblichen Praxis umsetzen können. Genau hier liegt eine unserer wichtigsten Aufgaben als Verband: Regulierung einzuordnen, Wissen zu bündeln und unseren Mitgliedern konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben", sagt IPV-Geschäftsführer Karsten Hunger. Er verweist dabei auch auf die Erfahrungen mit der EUDR. Die Ende 2025 vorgenommenen Verschiebungen und inhaltlichen Anpassungen hätten gezeigt, dass praktische und konzeptionelle Schwächen bei der Umsetzung durchaus zu Veränderungen regulatorischer Vorgaben führen können. Der IPV informiert seine Mitglieder fortlaufend über die EUDR und hat gemeinsam mit Verbänden der Papiererzeugung und -verarbeitung entsprechende Informationsmaterialien erarbeitet.
IPV setzt auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovation
Nach Auffassung des Verbandes sind Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg keine Gegensätze. Eine wettbewerbsfähige Industrie ist vielmehr Voraussetzung dafür, in neue Technologien und nachhaltige Lösungen investieren zu können. Ziel der Verbandsarbeit bleibt es deshalb, die Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen zu stärken, Innovationen zu ermöglichen und praktikable Lösungen für die Branche voranzutreiben. "Flexible Verpackungen erfüllen eine zentrale Funktion in modernen Versorgungsketten: Sie schützen Produkte, verlängern Haltbarkeiten und tragen dazu bei, Lebensmittelverluste zu reduzieren. Diese Leistung muss in der politischen Diskussion stärker berücksichtigt werden. Nachhaltigkeit gelingt dauerhaft nur mit einer wettbewerbsfähigen industriellen Basis", betont Vonderheid.
"Verpackungen 2026 Resilienz und Fortschritt in einer vernetzten Welt."
Der Mitgliederversammlung schließt sich traditionsgemäß ein Symposium mit verschiedenen Fachreferenten an. Dieses Jahr stand es unter dem Motto: "Verpackungen 2026 Resilienz und Fortschritt in einer vernetzten Welt." Jochen Rüth von der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) informierte über die Weiterentwicklung des Mindeststandards für die Recyclingfähigkeit vor dem Hintergrund der Einführung der PPWR. Dr. Andreas Ottofülling von der Wettbewerbszentrale beleuchtete anschließend die rechtlichen Herausforderungen und möglichen Risiken im Zusammenhang mit der EmpCo-Richtlinie und dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Einen weiteren Schwerpunkt setzte Kurt Schüler von der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mit seinem Vortrag zur "Ökonomischen und ökologischen Bewertung der Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern". Den Abschluss bildete der Beitrag von Kristina Bodrožić-Brnić vom Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur. Sie zeigte den IPV-Mitgliedsunternehmen auf, wie sich KI-Kompetenz im eigenen Betrieb aufbauen und sicher in die betrieblichen Prozesse integrieren lässt. Die unterschiedlichen Beiträge machten deutlich, wie vielfältig die aktuellen Herausforderungen für die Branche sind - von regulatorischen und rechtlichen Entwicklungen über wirtschaftliche Rahmenbedingungen bis hin zur digitalen Transformation. Zugleich bot die Mitgliederversammlung damit wichtige Impulse und konkrete Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit der Unternehmen.